Schneechaos in Südbayern – Bergwacht im Einsatz

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Bereits am Freitag ging es los: wie von den Wetterdiensten angekündigt setzte starker Schneefall ein, der sich bis in den Abend zog und sich über Nacht sogar noch weiter intensivierte. Am frühen Samstagmorgen waren viele Straßen im Süden Bayerns bis nach München und darüber hinaus eingeschneit. Die Schneemengen waren so groß, dass die Winterdienste mit dem Räumen nicht mehr hinterherkamen. Befuhr ein Räumfahrzeug die Straße, dann dauerte es nicht lange und die Fahrbahn war dahinter direkt wieder eingeschneit. Auf den Straßen kam es also zu Verkehrseinschränkungen, und das auf einer großen Fläche. Den Verkehrsmeldungen war zu entnehmen, dass nahezu alle bayrischen Autobahnen von Störungen betroffen waren.

Die Feuerwehren in Südbayern mussten zu Unfällen oder umgestürzten Bäumen ausrücken. Foto: Rico Löb

Zumeist waren es liegengebliebene  Fahrzeuge oder querstehende LKW, die zu Hindernissen auf der Straßen wurden. Es gab aber auch unzählige Unfälle, die Feuerwehren und Rettungsdienste waren im Dauereinsatz. Für gesperrte Straßen sorgte zudem Schneebruch. Viele große Äste brachen durch die Schneelast ab, stellenweise kippten auch ganze Bäume einfach um. Auch hier mussten die Feuerwehren in Bayern zu einer Vielzahl von Einsätzen ausrücken, um die Straßen wieder zu befreien. Diese Einsätze waren nicht ganz ungefährlich, immer wieder mussten die Kameradinnen und Kameraden damit rechnen, dass während der Räumarbeiten weitere Bäume umkippen könnten.

Am Samstagvormittag war ein Ende des Starkschneefalls immer noch nicht abzusehen. Die Schneedecke war mittlerweile vielerorts 40 Zentimeter hoch und in den Bergen teilweise noch viel höher. Immer mehr Bäume stürzten unter der Schneelast um und die Zahl der blockierten Straßen wurde immer großer. Auch die Bergwacht Bayern war mittlerweile im Großeinsatz, die ehrenamtlichen Kräfte verfügen über geländegängige Fahrzeuge, die auch bei Extrembedingungen fahren können.

Jörg Häusler von der Bergwacht Bayern berichtet über das Einsatzgeschehen. Foto: Rico Löb

Jörg Häusler von der Bergwacht Bayern: „Wir hatten um circa 4:40 heute früh den ersten Alarm einzelner Einheiten. Hier ging es in erster Linie um Unterstützung des Rettungsdienstes. Ich gehe davon aus, dass wir circa 100 Einsätze jetzt seit den Morgenstunden haben, wovon viele Einsätze sich auch darauf letztendlich beschränken, dass wir in den Wachen einsatzbereit wären, für den Fall, dass ein klassischer Rettungsdienst-Einsatz auftritt, der in einem Gebiet ist, wo zum Beispiel ein normaler Rettungswagen jetzt derzeit aufgrund der Schneemengen nicht fahren kann.“

Bis in den Samstagnachmittag hinein schneite es dann noch weiter. Die Innenstadt von Bad Tölz beispielsweise wurde regelrecht eingeschneit, doch mittlerweile konnten die Winterdienste die Fahrbahnen hier freihalten und dafür sorgen, dass zumindest die Hauptstraßen befahrbar blieben. Das machte es nicht nur den Autofahrern leichter, sondern sorgte auch dafür, dass Feuerwehr und Rettungsdienste von A nach B kommen konnten. Trotzdem stiegen die Schneehöhen weiter nach oben, stellenweise wurden über 70 Zentimeter gemessen, in den Bergen weit über einen Meter. Das ist für den Süden Bayerns vor allem in Alpennähe nichts neues, doch in so kurzer Zeit und dann auch noch so früh im Dezember – das ist dann doch schon besonders.

Auch jetzt ist die Gefahr von Schneebruch weiterhin groß. Foto: Rico Löb

So schön die Winterlandschaft auch ist – es gab neben den eingeschneiten Straßen auch noch weitere Unannehmlichkeiten. Vielerorts wurde der Bus- und Bahnverkehr eingestellt, Flughäfen wurden geschlossen und Schneebedeckte Dächer mussten beräumt werden. Am Samstagabend ließ der Schneefall dann zwar nach über 24 Stunden nach, die Gefahren bleiben jedoch bestehen, das weiß auch die Bergwacht:

Jörg Häusler von der Bergwacht Bayern: „Wir gehen davon aus, dass wir auch jetzt die nächsten 24 Stunden eine weiterhin erhebliche Lawinengefahr bis ins Tal haben. Ein weiteres großes Problem ist sicherlich die enorme Schneelast auf den Bäumen. Größere Äste, teilweise auch Bäume fallen um, brechen ab. Dadurch kommt es sicherlich zu sehr großen Gefahrensituationen jetzt nicht nur im Alpenraum, sondern einfach überall, wo es dermaßen viel Schnee, teilweise nassen Schnee hat.“

Für die kommenden Tage werden zwar keine neuen solch großen Schneefälle vorhergesagt. Im Laufe des Montags bis in den Dienstagmorgen soll aber gefährliches Blitzeis auftreten. Hier werden Niederschläge in Form von Regen auf den noch gefrorenen Boden treffen und diesen in gefährliche Rutschbahnen verwandeln. Entsprechende Warnungen der Wetterdienste sind zu beachten und auch diesmal wird es sinnvoll sein, das Auto zeitweise lieber stehen zu lassen.