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In einer recht ungewöhnlichen Aktion hat die Freiwillige Feuerwehr Pulsnitz am Samstag auf den Personalnotstand in der Feuerwehr aufmerksam gemacht. Die Kameraden verteilten im Stadtgebiet 500 sogenannte „Haushalts-Löscheimer“. Damit wollte man deutlich machen, was passieren kann, wenn sich niemand mehr in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert. Denn sollte sich die Personallage nicht ändern, dann könnte es sein, dass Bürger in Zukunft selbst ihr Feuer löschen müssen, weil niemand mehr kommt, wenn es brennt.

„Ganz so schlimm ist die Situation zum Glück noch nicht, wir können aktuell noch zu jedem Einsatz ausrücken und haben auch Personalreserven“, sagte Feuerwehrsprecher Rico Löb am Samstag während der Werbeaktion. „Doch die Mitgliederzahlen sind in den letzten 10 Jahren fast um 20 Prozent gesunken, wir wissen nicht, wie viele Jahre wir den Brandschutz noch sicherstellen können“, so Löb weiter. Die Pulsnitzer Feuerwehr ist wie fast jede andere Feuerwehr in der Region eine Freiwillige Feuerwehr. Alle leisten ihren Dienst hier ehrenamtlich neben Beruf und Familienleben. Doch immer weniger wollen dieses Ehrenamt ausführen.

Feuerwehrmann Lars Böhme (19) verteilte am Samstag Löscheimer an Pulsnitzer Haushalte. Foto: xcitePress

Deshalb zogen 17 Kameradinnen und Kameraden am Samstagvormittag mit vier Einsatzfahrzeugen durch die Stadt und klingelten an den Haustüren. Den durchaus verwunderten Bürgern übergab man dann einen roten Eimer mit der Aufschrift „Haushalts-Löscheimer“. „Damit können Sie im Notfall ihr brennendes Haus selbst löschen, wenn wir kein Personal haben sollten“, schildert Lars Böhme die nicht ganz so ernst gemeinte Aktion einer Anwohnerin. Der 19-jährige ist erst seit wenigen Jahren bei der Feuerwehr dabei, für ihn ist das Hobby aber zu einem wichtigen Teil seines Lebens geworden. „Es macht mir einfach Spaß, anderen Menschen zu helfen und mich bei Lehrgängen und Ausbildungen weiterzubilden“ erzählte er stolz. Er saß gemeinsam mit drei anderen Feuerwehrleuten auf dem Löschgruppenfahrzeug LF 16, welches für den östlichen Teil von Pulsnitz zuständig war.

An den Haustüren wurden die Löscheimer den Bürgern übergeben. Foto: xcitePress

Die Reaktionen der Pulsnitzer Bürger waren fast durchweg positiv. Viele Menschen wussten bereits von den Personalproblemen in der Feuerwehr und lobten das Engagement der Kameraden. Doch ob sich am Ende wirklich Interessenten für die Feuerwehr finden, wird sich erst später zeigen. „Wir veranstalten am 3. September ein Feuerwehrfest und eine Art Mitmach-Tag, wo alle Interessierten herzlich dazu eingeladen sind, sich unsere Feuerwehr mal etwas näher anzuschauen“, so Rico Löb zum weiteren Werdegang der Aktion. „Dann kann man uns Fragen stellen oder den Kameradinnen und Kameraden einfach mal über die Schulter schauen“, erzählt Löb weiter. Die Löscheimer-Aktion hat jedenfalls dafür gesorgt, dass die Feuerwehr in Pulsnitz wieder zum Gesprächsthema wurde und sich der ein oder andere möglicherweise Gedanken über das Thema macht.

Die Idee mit den Löscheimern ist übrigens nicht neu. Sie stammt von der Feuerwehr Vallstedt/Alvesse in Niedersachsen. Der Pulsnitzer Feuerwehrkamerad Sven Sielaff ist vor einigen Jahren darauf aufmerksam geworden und nahm Kontakt mit den Urhebern der Idee auf. Später gab es Fördermittel aus einem Fonds, nach der Corona-Pause konnte man das Projekt nun endlich umsetzen. Bleibt zu hoffen, dass die Aktion Früchte trägt und für Nachwuchs in der Pulsnitzer Feuerwehr sorgt.

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