Letztes Hexenbrennen – stirbt mit der Feuerwehr auch die Kultur?

In Doberschau bei Bautzen steht in diesem Jahr mit dem beliebten Hexenbrennen vielleicht die letzte kulturelle Veranstaltung dieser Art an. Denn die Freiwillige Feuerwehr des Ortes hat mit massiven Personalproblemen zu kämpfen. Immer weniger Leute engagieren sich in ihrer Freizeit in der Feuerwehr. Damit sind nicht nur im Einsatzfall weniger Kräfte verfügbar, sondern auch bei den vielen Festen und Höhepunkten im Dorfleben. Denn wie in vielen Orten stemmt auch in Doberschau die Freiwillige Feuerwehr die Organisation und Durchführung von Hexenbrennen und Co. Einst waren es vier große Highlights, die jedes Jahr von der FFW Doberschau veranstaltet wurden: Hexenbrennen, Dorffest, Männertag und Weihnachtsmarkt. Während erst das Dorffest und dann der Männertag wegfielen, steht jetzt zur Debatte, auch die anderen beiden Events abzuschaffen. Die einzige Lösung: es wird ein Förderverein gegründet, der die Kameraden unterstützt. Denn auch der rechtliche Rahmen muss abgesichert sein und die große Verantwortung nicht auf den einzelnen Feuerwehrleuten lasten. Im März gab es bereits eine Informationsveranstaltung zur einer möglichen Gründung eines Feuerwehrfördervereins. Viele Doberschauer nahmen den Termin wahr, jedoch kam man zu keinem abschließenden Ergebnis, wie es nun weitergeht. Deswegen lädt man für den 16. April erneut zu einer Informationsveranstaltung ins Feuerwehrgerätehaus ein, um über diese Belange zu sprechen. Beginn ist 19 Uhr.

Doberschau ist leider nur ein Paradebeispiel für das, was vielen Dörfern in Ostsachsen noch bevorsteht. Vor allem tagsüber ist der Personalmangel im ländlichen Raum oftmals zu spüren. Kommt es zu einem Einsatz, kann nirgends mehr davon ausgegangen werden, dass tatsächlich ausreichend Einsatzkräfte kommen. Denn zu 99 Prozent werden die Feuerwehren von Freiwilligen besetzt, die in der Regel noch einem Arbeitsverhältnis nachgehen oder privat anderweitig beschäftigt sind. Als Reaktion auf das Problem werden in den meisten Orten bei einem Brand, Unfall oder anderem Einsatz einfach mehr Feuerwehren alarmiert. „Dann werden schon genug Leute kommen“, so die Hoffnung der Verantwortlichen. Doch dass dies keine Lösung auf Dauer ist, sollte allen klar sein. Es muss sich dringend etwas tun, damit die Freiwilligen Feuerwehren auf den Dörfern nicht aussterben. Denn nicht nur das kulturelle Leben in den Orten steht auf dem Spiel, sondern auch die Sicherheit eines jeden Einzelnen.