Absturz in den Hinteren Affensteinen: Bergwacht zieht Verletzten rund 90 Meter nach oben

Ein 20-Jähriger stürzt in der Nacht zum 3. Oktober nahe dem Hentzschelturm über eine Felswand in die Tiefe. Nebel verhindert den Hubschraubereinsatz, Totholz blockiert die Wege. Die Bergwachten Bad Schandau und Pirna holen ihn in einer Gebirgstrage über die Wand zurück.

2
Bergretter mit Helmen und Klettergurten stehen im herbstlichen Laubwald um eine orangefarbene Gebirgstrage; auf einer Jacke steht „Bergwacht“.
Symbolbild: Bergretter mit einer Gebirgstrage bei einer Übung in der Sächsischen Schweiz. Foto: Archiv/blaulicht paparazzo

Rund 90 Meter ist ein 20-Jähriger aus dem Raum Leipzig in der Nacht zum 3. Oktober in den Hinteren Affensteinen abgestürzt und hat überlebt. Weil Nebel einen Hubschraubereinsatz verhinderte und ein Abtransport talwärts ausgeschlossen war, zogen die Bergwachten Bad Schandau und Pirna den schwer verletzten Mann in einer Gebirgstrage über die Felswand nach oben. Rund 30 Einsatzkräfte waren bis gegen 4 Uhr gebunden.

Sturz kurz vor dem Ziel

Der junge Mann war am Freitagabend mit sechs Begleitern auf dem Weg zu einer Boofe. Kurz vor dem Ziel, unweit des Hentzschelturms, verlor er auf einem schmalen Weg das Gleichgewicht. Er stürzte rund 70 Meter über die Felswand und weitere 20 Meter einen steilen Hang hinab. Seine Begleiter konnten in der Dunkelheit nicht erkennen, wo er lag. Erst nach einiger Zeit hörten sie Hilferufe von unten. Der Verunglückte war ansprechbar, die Gruppe setzte sofort den Notruf ab.

Zuerst rückte die Bergwacht Bad Schandau aus, später wurde die Alarmgruppe Pirna nachalarmiert. Der Mann hatte mehrere Knochenbrüche, Prellungen und eine Kopfplatzwunde erlitten.

Gebirgstrage statt Hubschrauber

Dunkelheit, steiles Gelände und Totholz erschwerten die Arbeit der Retter. Ein Hubschrauber konnte wegen Nebels nicht eingesetzt werden, ein Abtransport talwärts schied aus. Damit blieb nur der Weg zurück nach oben, rund 90 Meter. Die Bergretter versorgten den Patienten medizinisch, sicherten ihn im Luftrettersack und zogen ihn in einer Gebirgstrage über die Felswand hinauf. Der betreuende Bergwachtarzt blieb dabei am Patienten und wurde gemeinsam mit ihm nach oben gezogen.

Für den weiteren Abtransport schnitten die Feuerwehren Bad Schandau und Porschdorf Wege durch das Totholz frei und unterstützten die Bergwacht. Gegen 3 Uhr konnte der Patient in eine Klinik gebracht werden.

Auch die sechs Begleiter brachten die Einsatzkräfte aus dem Gebiet. Anschließend kümmerten sich Kriseninterventionsteams des DRK Pirna und des DRK Freital um sie. Im Einsatz waren Kräfte von Bergwacht, Feuerwehr, Rettungsdienst, Notarzt und Psychosozialer Notfallversorgung (PSNV). Beendet war die Rettungsaktion erst gegen 4 Uhr. Dass der Verletzte einen Absturz aus rund 90 Metern lebend überstand, bezeichnet die Bergwacht als außergewöhnlich.

Für die Bergwacht Pirna hatte die Nacht bereits um 20:55 Uhr begonnen. Im Hirschgrund bei Kurort Rathen hatten drei Wanderer in der Dunkelheit die Orientierung verloren und waren in steiles Gelände geraten. Fünf Bergretter aus Pirna brachten sie sicher zurück. Noch während dieses Einsatzes ging der Notruf aus den Hinteren Affensteinen ein.

Boofen sind natürliche Felsüberhänge oder kleine Höhlen, unter denen in der Sächsischen Schweiz traditionell im Freien übernachtet wird. Im Nationalpark ist das Übernachten im Freien grundsätzlich verboten. Ausgenommen sind vom 16. Juni bis 31. Januar 58 ausgewiesene Boofen außerhalb der Kernzone, wenn die Übernachtung in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Felsklettern steht.