Journalistenausbildung in Hammelburg – Tag 2

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Es war durchaus ungewohnt. Um 5:45 Uhr klingelte der Wecker. Ja – morgens. Nachdem über ultralangsames Handynetz im Facebook die aktuelle Lage gecheckt wurde, war auch das Badezimmer, welches ich mir mit einem Kollegen teilen muss, endlich frei und wir konnten wie geplant 6:30 Uhr zum gemeinsamen Frühstück starten. Ein gut bestücktes Buffet erwartete uns in der Speisehalle. Von Wurst über Käse bis zu Marmelade und anderen Köstlichkeiten gab es alles, was das Soldatenherz begehrt. Um etwa 7:15 Uhr begann dann aber bereits der „Unterricht“ im Hörsaal 2. Hier wurden wir in vier 4er-Teams eingeteilt. Ich kam in das Team „Bravo 1“. Darüber hinaus gab es noch Alpha 1 + 2 und Bravo 2.
Zuerst bekamen wir einen Film gezeigt. Hier ging es um eine junge Frau, die gemeinsam mit ihrem Freund in einem Krisengebiet unterwegs war und dort von Militärkräften gefangen genommen wurde. Amerikanische Spezialkräfte sollten nun versuchen, die beiden aus der Geiselhaft zu befreien. Eindrucksvoll vermittelte man uns hier die Methoden der Behörden, die bei solchen Maßnahmen ergriffen werden. Danach ging es ans Eingemachte: Was ist man als Mensch wert? Was ist ein anderer Mensch wert? Steht man seinem besten Freund bei oder flieht man und holt Hilfe? Wie geht man damit um, wenn man sebst überlebt, aber der langjährige Kollege hingerichtet wird? Ausführlich wird uns darüber morgen noch ein Psychologe unterrichten.
Bis zum Mittagessen, welches übrigens sehr sehr gut war, wurden uns recht interessante Dinge über Auslandseinsätze berichtet. Ein recht merkwürdiger Aspekt war das Anfertigen eines Abschiedsbriefs und eines Testaments. Für Militärkräfte ist das wohl in manchen Regionen bereits Pflicht – für mich mit meinen 22 Jahren war es jedoch mehr als ein komisches Gefühl, über so etwas überhaupt nachzudenken.
Am Nachmittag fuhren wir mit drei Kleinbussen auf den Truppenübungsplatz zum bekannten „Bonnland“. In der Geisterstadt, die nur für Üungszwecke dient, wurde uns in den ersten 90 Minuten alles Wichtige über Minen beigebracht. Von Anti-Personen-Minen über Panzerabwehrminen unterrichtete man uns über das Aufspüren, Kennzeichnen und Umgehen dieser Waffen. Wie rette ich einen Kollegen aus einem Minenfeld und wie fliehe ich aus einem in einem Minenfeld stehendem Fahrzeug? Alles recht interessant und ernst zu nehmend.
In den zweiten 90 Minuten zeigte uns ein Ausbilder, welches Material welchen Schutz vor Gewehreinschüssen bietet. Anhand einer Kalaschnikov konnten wir sehen, dass erst 80 Zentimeter dicke(!!!) Bäume sicher sind, dass Innenwände in Häusern leicht zu durchschießen sind und dass Beton weniger Schutz bietet als Stahl. Dass man, anders als in Hollywood, hinter einem Auto keinen sicheren Schutz findet war mir ebenfalls neu. Auch dass Panzerglas nach einem(!) Einschuss sofort absolut null Sicherheit bietet war ebenfalls gut zu wissen.
Im Aschluss bekamen wir anschaulich gezeigt, wie ein Panzer nach einem Panzerfausteinschlag aussieht, wie ein PKW nach einer 10kg-Autobombe zerlegt wird und woran man Selbstmord-Attentäter erkennt. Als wir mit den Kleinbussen richtung Kaserne starten wollten, detonierte dann auch noch eine Sprengkopf-Atrappe. Das sollte veranschaulichen, dass man vor jedem Start sein Fahrzeug kontrollieren sollte.
Zu guter Letzt, ehe es dem Abendessen entgegen ging, schilderte ein Mitarbeiter der Bereufsgenossenschaft BG ETEM die Versicherungsmöglichkeiten bei einem Einsatz in einem Krisengebiet. Alles reine Theorie, aber sehr interessant.
Danach verschlug es unsere gesamte Truppe in das Offizierscasino zum gemütlichen Essen – und dem ein oder anderen Bierchen. Völlig geschafft ging es dann gegen 22.30 Uhr in die Koje – voller Erwartungen an den nächsten Tag….
Bis morgen,
Euer Rico