Wittenberg: Batteriebrand in Werkstatt für Menschen mit Behinderung – zahlreiche Rauchgas-Verletzte

In einer Werkstatt des Augustinuswerks in Lutherstadt Wittenberg sind am Montagnachmittag gesammelte Batterien und Knopfzellen in Brand geraten. Das Gebäude wurde geräumt, nach Angaben der Stadt wurden 29 Menschen mutmaßlich durch Rauchgas verletzt – nach bisherigem Stand niemand schwer.

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Silhouette einer Einsatzkraft mit Atemschutzgerät in dichtem Rauch bei Nacht
Symbolbild: Einsatzkraft unter Atemschutz bei starker Rauchentwicklung. Foto: Archiv/Rico Löb

In der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) des Augustinuswerks in der Gottlieb-Daimler-Straße in Lutherstadt Wittenberg sind am Montag, 28. September 2026, gesammelte Batterien und Knopfzellen in Brand geraten. Die Feuerwehr wurde um 13:24 Uhr alarmiert. Wegen der starken Rauchentwicklung wurde die gesamte Werkstatt geräumt. 29 Menschen wurden mutmaßlich durch Rauchgas verletzt, schwer verletzt wurde nach bisherigem Kenntnisstand niemand. Die Polizei schätzt den Sachschaden vorläufig auf etwa 800.000 Euro. Die Brandursache ist noch nicht abschließend geklärt.

Drei Batterieboxen ins Freie gebracht

Die Feuerwehr teilte die Einsatzstelle in drei Einsatzabschnitte ein. Einsatzkräfte unter Atemschutz löschten in dem stark verrauchten Gebäudeabschnitt drei mit Batterien bestückte Boxen und brachten sie ins Freie. Ein Fachunternehmen übernimmt die Entsorgung der Batterien.

Im Einsatz waren 41 Feuerwehrangehörige der hauptamtlichen Wachbereitschaft, der Feuerwehren Reinsdorf-Dobien, Teuchel und Wittenberg-West, des SKW-Ergänzungstrupps und des Führungsdienstes Wittenberg. Unterstützt wurden sie vom Kreisbrandmeister, der Polizei und 56 Einsatzkräften der Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG)/Sanitätsdienst des Landkreises Wittenberg. Nach den Lösch- und Kontrollarbeiten übergab die Feuerwehr die Einsatzstelle an den Betreiber.

Die Hitze beschädigte Inventar und Fassade. Betroffen sind nach Angaben des Trägers vor allem die Brandhalle sowie Decken, Böden, technische Anlagen und Arbeitsbereiche, die durch Feuer, Rauch und Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Schadensaufnahme mit Sachverständigen und Versicherung läuft.

Werkstatt in weniger als einer Minute geräumt

Im unmittelbar betroffenen Bereich hielten sich rund 45 Personen auf, im gesamten Gebäude etwa 200. Der Träger beziffert die Anwesenden auf rund 120 Beschäftigte und etwa 30 Mitarbeitende. Die Räumung dauerte nach seinen Angaben weniger als eine Minute. Einige Menschen brauchten dabei Unterstützung.

Nach der Räumung wurden die Beschäftigten in Absprache mit der Feuerwehr auf dem Augustinushof betreut – von ihren Gruppenleitungen und vom Sozialbegleitenden Dienst der Werkstatt. Dort gab es Sitzplätze und Wasser. Rettungskräfte sichteten die Beschäftigten vor Ort medizinisch, vor allem diejenigen, die im unmittelbar von Brand und Rauch betroffenen Bereich gearbeitet hatten. Später brachte der Fahrdienst die Beschäftigten nach Hause.

Unterschiedliche Verletztenzahlen

Die Angaben zur Zahl der Verletzten gehen auseinander. Die Polizei meldete am Montagabend 20 Personen, die mit Verdacht auf eine Rauchgasintoxikation in ein Krankenhaus eingeliefert wurden; nach einem Bericht des MDR hatte sie zuvor von 16 Verletzten gesprochen. Die Stadt Wittenberg nannte am Dienstag 29 mutmaßlich durch Rauchgas Verletzte, von denen 21 zur weiteren Kontrolle in ein Krankenhaus kamen. Das Augustinuswerk gibt an, dass im Evangelischen Krankenhaus Paul Gerhardt Stift insgesamt 22 Personen medizinisch versorgt wurden. Nach Kenntnisstand des Trägers konnten alle noch am selben Tag entlassen werden.

Nachbarhalle blieb verschont

Eine benachbarte Halle blieb nach Medienberichten von Flammen und Rauch verschont, weil ein Brandschutztor sie abschirmte. Eine offizielle Bestätigung von Feuerwehr oder Stadt dazu liegt bislang nicht vor. Die Arbeit in der Werkstatt geht in den nicht betroffenen Bereichen weiter, die Sanierung der beschädigten Bereiche wird vorbereitet.

Ursache noch offen

Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an. Die Polizei hält einen technischen Defekt für wahrscheinlich. Welche Batterietypen in Brand gerieten, ist bislang nicht öffentlich bekannt.

Nach Darstellung des Trägers kamen die Batterien und Knopfzellen nach ihrer Entnahme in dafür vorgesehene Sammelbehälter, als Sicherungsmaterial wurden Sand oder Granulat eingesetzt. Gesammelt wurde demnach jeweils nur die anfallende Menge, volle Behälter wurden sofort aus der Halle gebracht. Handhabung und Lagerung seien vorab mit dem zuständigen Brandschutzbeauftragten der DEKRA abgestimmt und in Prozess- und Verfahrensanweisungen festgelegt worden. Wie es dennoch zu dem Brand kommen konnte, ist Gegenstand der weiteren Untersuchung. „Jetzt geht es darum, die Ursache sorgfältig aufzuklären und die notwendigen Schritte für die Wiederherstellung der betroffenen Bereiche einzuleiten“, erklärte Geschäftsführer Matthias Monecke.

Hintergrund: Brandrisiko Batteriesammlung

Altbatterien gelten vor allem wegen enthaltener Lithiumzellen als Brandrisiko. Lithium ist ein sehr reaktionsfreudiges und leicht brennbares Material; Lithiumbatterien unterliegen deshalb beim Transport dem Gefahrgutrecht. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) nennt als mögliche Brandursachen unter anderem Qualitätsmängel und unsachgemäßen Umgang und weist darauf hin, dass Brände auch bei Entsorgung und Recycling auftreten können.

Das Rücknahmesystem GRS Batterien empfiehlt in seinem Sicherheitsstandard, Lithiumbatterien in Sammelbehältern möglichst gegen Kurzschluss zu sichern – etwa durch Abkleben der Pole, lagenweises Befüllen oder ein nicht leitfähiges, nicht brennbares Polstermaterial. Beschädigte Lithiumbatterien bis 500 Gramm müssen gegen Kurzschluss gesichert werden, zum Beispiel durch vollständige Einbettung in trockenen Sand oder Vermiculit. Sammelbehälter sollen trocken, vor Erwärmung geschützt, entfernt von brennbaren Stoffen, abseits von Verkehrswegen und nicht in der Nähe von Aufenthaltsorten gelagert werden.

Die Versicherungswirtschaft beschreibt in ihrem Merkblatt VdS 3103 als typische Gefahren von Lithium-Batterien Selbstentzündung, heftige Brandereignisse mit schneller Brandausbreitung und den möglichen Austritt giftiger Inhaltsstoffe im Brandfall. Beschädigte oder defekte Batterien sollen danach aus Lager- und Produktionsbereichen entfernt und bis zur Entsorgung mit sicherem Abstand oder in einem brandschutztechnisch abgetrennten Bereich zwischengelagert werden. Für die Sammlung gebrauchter Batterien selbst verweist das Merkblatt auf eine gesonderte Betrachtung in Abstimmung mit dem Sachversicherer.