
Das Löschgruppenfahrzeug Katastrophenschutz (LF-KatS Bund) der Freiwilligen Feuerwehr Gangelt im Kreis Heinsberg ist seit dem 6. Oktober 2026 außer Dienst. Technische Mängel oder fehlendes Personal sind nicht der Grund. Für die anstehende Wartung fehlen nach Angaben der Feuerwehr die Haushaltsmittel des Bundes.
Anweisung der Bezirksregierung Köln
Der Bund trägt nach Artikel 104a des Grundgesetzes die Kosten, die Ländern und Kommunen durch das Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz (ZSKG) entstehen. Dazu zählen Wartung und Instandsetzung der Bundesausstattung, die Ersatzbeschaffung einzelner Ausstattungsteile und die Überführung neuer Fahrzeuge. Seit einigen Wochen erstattet der Bund diese Kosten laut Feuerwehr nicht mehr an das Land Nordrhein-Westfalen und die Kommunen.
Die Bezirksregierung Köln wies daraufhin an, alle Bundesfahrzeuge mit anstehender Wartung oder Instandsetzung als nicht einsatzbereit zu melden und in Status 6 zu setzen. Das Gangelter LF-KatS ist das erste von elf im Kreis Heinsberg stationierten Bundesfahrzeugen, das davon betroffen ist. Wie lange der Stillstand dauert und ob die Wartungen im kommenden Jahr zeitnah nachgeholt werden können, ist offen.
BBK verweist auf ausgeschöpfte Mittel
Nach einem Bericht der Aachener Zeitung teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) der Zeitung mit, für Wartung und Instandsetzung der Zivilschutzfahrzeuge stünden im Haushaltsjahr 2026 insgesamt 10,9 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel seien anteilig an die Länder verteilt worden und voraussichtlich bis zum Jahresende ausgeschöpft. Für Nordrhein-Westfalen kündigte das BBK demnach weitere Mittel an, die Auszahlung solle „zeitnah“ erfolgen. Zur Höhe und zum Zeitpunkt machte das Bundesamt keine Angaben. Künftig sollen die Haushaltsmittel nach Angaben des BBK quartalsweise ausgezahlt werden; darüber hinaus könnten die Länder weitere Mittel anfordern.
Der Kreis Heinsberg berichtet laut Aachener Zeitung dagegen schon jetzt von ausbleibenden Kostenübernahmen. Die Zahlungen seien in den letzten Monaten nur schleppend erfolgt und zuletzt ganz ausgeblieben, sagte Kreissprecher Michael Heckers der Zeitung: „Nach unseren Informationen liegt keine generelle Verweigerung vor, jedoch ein administrativer und haushalterischer Zahlungs- beziehungsweise Bewilligungsstopp auf Bundesebene.“ Dem Bericht zufolge hat der Kreis bereits eine niedrige fünfstellige Summe vorgestreckt; die Wartung des Gangelter Fahrzeugs würde etwa 1.500 Euro kosten.
Gefragt bei Hochwasser, EM und Waldbrand
Für den Grundschutz in Gangelt spielt das Fahrzeug keine tragende Rolle, denn Bundesfahrzeuge dürfen nur zusätzlich zur gemeindlichen Ausstattung vorgehalten werden. Überörtlich wurde das seit 2021 in Gangelt stationierte LF-KatS jedoch regelmäßig angefordert: beim Hochwasser 2021 rund um das Krankenhaus in Eschweiler, bei Großbränden in Hückelhoven und Geilenkirchen (2025) sowie in Selfkant und Übach-Palenberg (2026), bei Waldbränden in Brunssum (2025) und im Hürtgenwald (2026) und bei Unwettern in Hückelhoven und Mönchengladbach (2025). Bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 gehörte es zur CBRN-Schutzkomponente. Bei den ehrenamtlichen Einsatzkräften stößt der Stillstand auf Unverständnis.
Hintergrund
Zwischen 2019 und 2022 beschaffte der Bund 306 LF-KatS und verteilte sie bundesweit. Drei davon stehen im Kreis Heinsberg: in Erkelenz (seit 2019), Übach-Palenberg (seit 2020) und Gangelt (seit 2021). Hinzu kommen dort unter anderem ein Schlauchwagen SW 2000 in Wassenberg, ein CBRN-Erkunder beim ABC-Zug in Hückelhoven sowie Sanitätsfahrzeuge bei DRK und Malteser Hilfsdienst. Die Kommunen dürfen die Fahrzeuge nach dem Prinzip des Doppelnutzens im Alltag einsetzen; im Zivilschutzfall müssen sie jederzeit abrufbar sein.
Der Fall fällt in eine Phase, in der die Bundesregierung den Bevölkerungsschutz ausbauen will: Mit dem im Mai 2026 vom Kabinett beschlossenen „Pakt für den Bevölkerungsschutz“ sollen bis 2029 insgesamt zehn Milliarden Euro investiert werden, unter anderem in die Ausstattung der Einsatzkräfte und weit über 1.000 neue Spezialfahrzeuge von BBK und THW.
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