
Der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg (LFV BW) verlangt von der Landesregierung, die Feuerwehren bei den Plänen zum Bevölkerungsschutz stärker einzubeziehen. Anlass ist die Verbandsversammlung am 24. Oktober 2026 in Göppingen. „Bevölkerungsschutz geht nur gemeinsam mit allen Experten des Bevölkerungsschutzes. Die Feuerwehren gehören in Sachen Bevölkerungsschutz mit an den Tisch!“, sagt Verbandspräsident Michael Wegel. Neben der Beteiligung fordert er massive Investitionen in den Bevölkerungsschutz, krisenfähigere Kommunen und ein attraktives Ehrenamt.
„Die Feuerwehren sind die tragende Säule des Katastrophenschutzes. Ohne die Feuerwehren kann es keinen funktionierenden Bevölkerungsschutz geben“, so Wegel.
Heimatschutzplan und neues Präsidium
Als aktuelles Beispiel nennt der Verband den angekündigten Heimatschutzplan, mit dem die Landesregierung das Land besser auf Krisen vorbereiten will. „Doch ein Plan allein schafft noch keine Sicherheit. Sicherheit entsteht durch Menschen, Ausbildung, Ausrüstung und eine belastbare Infrastruktur“, sagt Wegel. Der Plan dürfe kein Behördenprojekt werden. Einzubinden seien Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Wirtschaft, Krankenhäuser, Energieversorger, Kommunen und die Bevölkerung. Der LFV BW bietet an, bei der Ausarbeitung mitzuwirken.
Nach Auffassung des Verbands muss das Land sicherstellen, dass jede Kommune über belastbare Krisenpläne, leistungsfähige Führungsstäbe, Notstromkapazitäten, Kommunikationsalternativen und regelmäßige Krisenübungen verfügt. „Der Heimatschutzplan ist nur so stark wie seine schwächste Stelle, und Schwachstellen können wir uns in der heutigen Zeit nicht erlauben“, sagt Wegel.
Das im Koalitionsvertrag vorgesehene Bevölkerungsschutzpräsidium begrüßt der Verband ausdrücklich. Es müsse jedoch mit Fachkräften aus dem Bevölkerungsschutz und damit auch aus der Feuerwehr besetzt werden. Zur künftigen Struktur des Präsidiums seien bislang keine näheren Informationen veröffentlicht worden.
Forderungen zur Finanzierung
„Sicherheit kostet Geld. Unsicherheit kostet mehr“, sagt Wegel. Viele Kommunen hätten erheblichen Investitionsbedarf bei Fahrzeugen, Kommunikationstechnik, Notstromversorgung und digitaler Infrastruktur. Der Verband fordert eine deutliche Erhöhung der Feuerwehrförderung, langfristig planbare Förderprogramme und eine Sonderförderung für Krisenvorsorge und Resilienzmaßnahmen. Gelder aus den LUKIF-Mitteln (Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz) sollen auch für den Katastrophenschutz bei den Feuerwehren zur Verfügung stehen. Hybride Bedrohungslagen und der Katastrophenschutz fielen in die Zuständigkeit des Landes, die kommunale Gefahrenabwehr in die der Kommunen.
Zudem verlangt der LFV BW ein landesweites Konzept für Notstromversorgung, Warnung der Bevölkerung, geschützte Kommunikationsnetze für Einsatzkräfte, die Absicherung kritischer Feuerwehrstandorte sowie Investitionen in autarke Führungs- und Lagezentren.
Ehrenamt als Grundlage
Nach Verbandsangaben leisten über 95 Prozent der Feuerwehrangehörigen in Baden-Württemberg ihren Dienst ehrenamtlich. „Der wichtigste Bestandteil des Bevölkerungsschutzes ist nicht Technik. Es sind Menschen“, sagt Wegel. Der Verband setzt sich für die Förderung von Kinder- und Jugendfeuerwehren und eine spürbare gesellschaftliche Anerkennung des Ehrenamts ein.
Hintergrund
Laut aktueller Feuerwehrstatistik, die der Verband anführt, rückten die Feuerwehren im Land 2025 zu 128.385 Einsätzen aus und retteten oder brachten 16.296 Personen bei Brandeinsätzen und Technischer Hilfeleistung in Sicherheit, der zweithöchste Wert nach 2024. Ende 2025 zählten die Gemeindefeuerwehren 115.577 aktive Angehörige, davon 9.898 Frauen. Insgesamt engagieren sich rund 200.000 Menschen in Jugendfeuerwehren, den Einsatzabteilungen der 1.097 Gemeindefeuerwehren, den 158 Werkfeuerwehren und den Altersabteilungen.
Weitere Themen des Verbands sind die Leitstellen, deren Zahl die Landesregierung laut Koalitionsvertrag reduzieren will – der LFV BW hat dazu mit DRK-Landesverbänden, Landkreistag, Städtetag und Krankenkassen ein gemeinsames Visionspapier vorgelegt –, sowie der angekündigte, aber noch nicht umgesetzte Ausbau der Landesfeuerwehrschule. Eine Erweiterung der Schule war bereits 2019 angekündigt worden.
Ähnlich äußerte sich zuletzt der Deutsche Feuerwehrverband. Dessen Präsident Karl-Heinz Banse sagte bei der Delegiertenversammlung in Berlin: „Um Leistungen zu bringen, müssen auch Gelder da sein.“
Die Verbands- und Mitgliederversammlung des LFV BW läuft vom 22. bis 24. Oktober 2026 in Göppingen. Auf der Tagesordnung des 24. Oktober stehen eine Ansprache von Präsident Wegel sowie eine Ansprache des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenministers Manuel Hagel.
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.



