Nächster Angriff auf das Stromnetz: Sabotage an Umspannwerk in NRW

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Umspannwerk
Foto: Archiv

Nur wenige Stunden nach dem Angriff auf die Strominfrastruktur bei Jänschwalde in Brandenburg beschäftigt ein weiterer Sabotagefall die Ermittler. Diesmal ist ein Umspannwerk in Bergheim bei Köln betroffen. Mehrere Kraftwerksblöcke fielen aus. Die allgemeine Stromversorgung blieb jedoch stabil.

BERGHEIM – Erneut ist die deutsche Strominfrastruktur offenbar gezielt angegriffen worden. Am Dienstagabend (1. September) kam es gegen 20 Uhr in einem Umspannwerk des Übertragungsnetzbetreibers Amprion im Bergheimer Ortsteil Rheidt zu einem Kurzschluss. Mehrere Leitungen fielen aus.

Was zunächst wie eine technische Störung aussah, entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu einem umfangreichen Polizeieinsatz. Die Ermittler gehen mittlerweile von einer vorsätzlichen Tat aus. NRW-Innenminister Herbert Reul spricht von Sabotage. Es bestehe der Anfangsverdacht einer „verfassungsfeindlichen Sabotage“.

Sechs Vorrichtungen entdeckt

Bei der Suche nach Spuren machten die Ermittler einen bemerkenswerten Fund: Auf einem Feld wurden insgesamt sechs Abschussvorrichtungen entdeckt.

Nach Angaben des Leitenden Kriminaldirektors Michael Esser waren diese offenbar so konstruiert, dass mithilfe pyrotechnischer Gegenstände Drähte beziehungsweise leitfähiges Material über die Stromleitungen gebracht werden konnten. Dadurch sollten Kurzschlüsse ausgelöst werden. Genau ein solcher Kurzschluss ereignete sich am Dienstagabend.

Die Dimension des Vorfalls zeigt sich auch an den Folgen für die Stromerzeugung. Nach Angaben von RWE waren insgesamt fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke im Rheinischen Revier betroffen. Zeitweise gingen dadurch rund 4.200 Megawatt Kraftwerksleistung vom Netz. Für Haushalte hatte der Vorfall dennoch keine unmittelbaren Folgen. Nach Angaben des Netzbetreibers Amprion blieb die allgemeine Stromversorgung stabil. Das deutsche Übertragungsnetz ist grundsätzlich so aufgebaut, dass der Ausfall einzelner Komponenten über andere Netzwege aufgefangen werden kann.

Ermittler prüfen fremdstaatliche Sabotage und Linksextremismus

Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang vollkommen offen. NRW-Innenminister Herbert Reul erklärte, dass derzeit insbesondere in zwei Richtungen ermittelt werde: fremdstaatlich gelenkte Sabotage sowie Linksextremismus. Keine dieser Möglichkeiten könne zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden.

Auch ein möglicher Zusammenhang mit dem Angriff auf die Strominfrastruktur bei Jänschwalde in Brandenburg wird untersucht. Bislang gibt es jedoch keinen Nachweis dafür, dass beide Taten miteinander verbunden sind.

Auffällige Parallelen zu Jänschwalde

Die zeitliche Nähe ist dennoch bemerkenswert. Erst wenige Stunden zuvor waren in Brandenburg bei Jänschwalde mehrere Vorrichtungen entdeckt worden, mit denen offenbar ebenfalls leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen gebracht werden sollte. In zwei Fällen wurden tatsächlich Kurzschlüsse ausgelöst. Nun wurde auch in Nordrhein-Westfalen offenbar eine Methode eingesetzt, bei der leitfähiges Material gezielt mit Stromleitungen in Kontakt gebracht werden sollte. Ob die ähnliche Vorgehensweise Zufall ist oder beide Fälle miteinander zusammenhängen, müssen die Ermittlungen zeigen.

Kritische Infrastruktur erneut im Fokus

Der Fall dürfte die Diskussion über den Schutz der deutschen Energieinfrastruktur weiter verschärfen. Umspannwerke gehören zu den zentralen Knoten des Stromnetzes. Sie verbinden unterschiedliche Spannungsebenen, Kraftwerke und Leitungsverbindungen miteinander. Deutschland verfügt allein auf der Höchstspannungsebene über rund 300 Umspannwerke.

Einen vollständigen physischen Schutz dieser weit verzweigten Infrastruktur gibt es nicht. Gleichzeitig ist das Stromnetz redundant aufgebaut. Nach dem sogenannten N-1-Prinzip soll der Ausfall einer einzelnen wichtigen Komponente grundsätzlich aufgefangen werden können. Problematischer könnte es werden, wenn mehrere Komponenten gleichzeitig oder gezielt hintereinander ausfallen. Genau deshalb dürften die Ereignisse der vergangenen Stunden die Sicherheitsbehörden beschäftigen: Innerhalb kurzer Zeit wurden in zwei Bundesländern gezielte Angriffe auf zentrale Bestandteile der Strominfrastruktur festgestellt.

In beiden Fällen verhinderte die Struktur des Stromnetzes bislang größere Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die Ermittlungen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen laufen weiter.