
Seit dem 27. Juni 2026 brennt es im ehemaligen Tagebau Rusendorf bei Meuselwitz im Landkreis Altenburger Land. Der Vegetationsbrand an der Oberfläche ist gelöscht, im Kohletrübebecken I schwelen kohlehaltige Ablagerungen aber auf rund acht Hektar weiter. Die Feuerwehren brachten den Brand innerhalb einer Woche unter Kontrolle, die Glut im Erdreich konnten sie mit ihren Mitteln nicht löschen. Seit dem 3. Juli trägt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) die Verantwortung. Bis der Brand erstickt ist, vergehen nach heutiger Planung Jahre.
Brandgut aus der Brikettproduktion
In das Becken zwischen Mumsdorf und Falkenhain spülte die Brikettfabrik Phönix über Jahrzehnte Kohletrübe ein, ein Gemisch aus Wasser, Kohlenstaub und Kohlepartikeln. Die Schicht ist drei bis fünf Meter mächtig. Als Auslöser gilt ein Baum, der mit einer hitzebedingt durchhängenden Hochspannungsleitung in Kontakt kam. Die Trasse musste abgeschaltet werden, Meuselwitz war rund fünf Stunden ohne Strom. Vom Wald griff das Feuer auf das Becken über und entzündete die Ablagerungen.
Einsatzverlauf: vom Flächenbrand zum Brand im Boden
Bis zum 29. Juni dehnte sich der Brand auf gut acht Hektar aus. Ein Löschhubschrauber unterstützte wiederholt, die Zentrale Leitstelle Gera warnte über das Modulare Warnsystem vor Brandrauch. Die Einsatzleitung lag bei der Feuerwehr Meuselwitz. Die Kohlereste entfachten immer wieder neue Flammen, die Glut breitete sich unterirdisch aus. Ein direkter Löschangriff war nicht möglich.
Die Maßnahmen konzentrierten sich deshalb darauf, den Boden zu kühlen und die Ränder zu halten. Überörtliche Einheiten, darunter Einsatzzüge „Wasser“ aus mehreren Thüringer Landkreisen, verbreiterten eine bestehende Schneise und stabilisierten sie durch gezieltes Ablöschen, bauten Kreisregnersysteme auf und stellten die Löschwasserversorgung sicher.
Bis zum 3. Juli waren knapp 800 Einsatzkräfte aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt beteiligt, neben nahezu allen Feuerwehren des Altenburger Landes auch THW, Rettungsdienst und Hilfsorganisationen. Der Landkreis zählte 177 Einsatzmittel, von Fahrzeugen über Schläuche bis zu Drohnen, und rund 5.000 Kubikmeter Löschwasser. Es ist das bisher größte Brandereignis im Landkreis. Am 3. Juli zog das Landratsamt Bilanz: „Mit den Mitteln der Feuerwehr wird der im Erdreich schwelende Brand kurz- und mittelfristig nicht zu löschen sein.“ Die überwiegend ehrenamtlichen Kräfte wurden schrittweise abgezogen. Droht eine erneute Ausbreitung, rücken die Feuerwehren wieder aus.
Nach der Übergabe: Schneise, Graben, Wasser
Die LMBV setzte die defensive Linie fort. Die Brandschutzschneise wuchs von zehn auf 30 Meter, im Norden auf bis zu 50 Meter. Seit dem 9. Juli umläuft ein rund 20 Zentimeter breiter und bis zu 1,60 Meter tiefer Grabenschlitz die Fläche, gefüllt mit Wasser und Netzmitteln. Sprinkler benetzen die Ränder, Drohnen mit Wärmebildtechnik überwachen die Fläche täglich. Ein Löschhubschrauber brachte vom 10. bis 12. Juli rund 280 Kubikmeter Wasser auf. Die Wärmebildauswertung zeigte, dass das Wasser die Oberfläche aufwirbelte, tiefere Schichten aber nicht erreichte. Engpass bleibt das Löschwasser: Rund 2.000 Kubikmeter werden täglich benötigt, drei Viertel davon liefert das öffentliche Netz.
Eigensicherung: Der Boden trägt nicht
Die Brandfläche darf nicht betreten werden, ihre Beschaffenheit und Temperaturen zwischen 70 und 150 Grad Celsius schließen das aus. Schon in der ersten Woche mussten die Kräfte mit Hohlräumen und Einsturzgefahr rechnen. Ein Einsatzzug aus dem Wartburgkreis erlebte Anfang Juli mehrere Lageänderungen: Ein Gewitter erzwang einen vorübergehenden Rückzug, gegen 18 Uhr fiel der zentrale Hydrant aus, am späten Abend stieg orangefarbener Rauch aus dem heißen Boden. Wegen der angenommenen Vergiftungsgefahr durch Schwefeldioxid bauten die Kräfte ihre Leitungen zurück und räumten den Bereich.
Die Fachempfehlungen zur Vegetationsbrandbekämpfung beschreiben dieses Gefahrenbild allgemein für Brände in brennbaren Bodenschichten: Personen und Fahrzeuge können in durchgebrannte Schichten einbrechen, Bäume mit zerstörten Wurzeln ohne Vorwarnung umstürzen. Empfohlen wird unter anderem:
- die Tragfähigkeit des Bodens vor dem Aufstellen prüfen und Standflächen frei von Glut halten,
- verdeckte Glutnester mit Wärmebildkameras suchen, auf großen Flächen auch aus der Luft,
- Trupps bei Nachlöscharbeiten mit Kohlenmonoxid-Warngeräten ausstatten,
- Netzmittel einsetzen, damit Wasser tiefer in schlecht benetzbares Brandgut wie Braunkohle eindringt.
Warum Kohle so lange glimmt
Allgemein gilt für Kohlebrände: Kohle ist porös und bindet schon bei niedrigen Temperaturen Sauerstoff, dabei entsteht Wärme. Kann sie nicht abfließen, steigt die Temperatur bis zur Selbstentzündung. Die Verbrennung läuft dann als flammenloser Glimmbrand, der mit wenig Sauerstoff auskommt. Den liefern Risse und Hohlräume, und der Brand vergrößert sie: Hitze lässt neue Spalten entstehen und den Boden nachsacken, aufsteigende heiße Gase ziehen wie in einem Kamin Frischluft nach. Wasser folgt dem Gefälle und erreicht verdeckte Glutnester oft nicht, gespeicherte Wärme kann abgekühlte Bereiche erneut entzünden. In Rusendorf verlagern sich die Brandherde und flammen an wechselnden Stellen auf. Im benachbarten, bereits gesicherten Beckenteil der MIBRAG verhindert eine Überdeckung mit Asche den Sauerstoffzutritt und senkt das Risiko einer Selbstentzündung.
Zuständigkeit: Bergrecht statt Brandschutz
Die LMBV ist als Bundesunternehmen Eigentümerin und bergrechtlich verantwortlich. Sie trägt die Kosten, für 2026 rund fünf Millionen Euro. Bergbehörde ist das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN). Es hat das dreistufige Vorgehen der LMBV geprüft und genehmigt. Das Landratsamt ist mit Gesundheitsamt, unterer Katastrophenschutz- und unterer Wasserbehörde beteiligt, die Stadt Meuselwitz als Ordnungsbehörde. Sie verpflichtete die LMBV per Bescheid zu erweiterten Luftmessungen, die seit dem 10. September an fünf Orten laufen. Die Feuerwehr bleibt für Brandschutz und Allgemeine Hilfe zuständig.
Die erste Stufe, die Eindämmung, läuft. In der zweiten sollen zwei rund vier Kilometer lange Rohrleitungen Wasser aus dem Restloch Zipsendorf heranführen, ergänzt um zwei Löschbrunnen. Die Leitung soll bis Ende Oktober fertig sein, danach sollen rund 200.000 Kubikmeter die Fläche bespannen. Die dritte Stufe ist eine etwa zwei Meter mächtige Abdeckung, die dem Brand die Sauerstoffzufuhr nimmt. Sie soll 2027 beginnen, die LMBV veranschlagt dafür zwei bis vier Jahre.








